Omas gegen Politikverdrossenheit

Initiative sammelt Meinungen in den Stadtteilen – Start in Preungesheim

OMAS GEGEN RECHTS

Preungesheim – Am Stand der Omas gegen Rechts wird der Schüler gleich ganz aufgeregt. Ey, Joschua“, ruft er quer über den Wochenmarkt auf dem Gravensteiner-Platz. „Fürs AfD-Verbot, hier kannst du unter schreiben. Komm doch!“

Der Schüler macht noch eine auffordernde Armbewegung, aber Joschua, der mit einer kleinen Gruppe Freunde am Bratwurststand steht, traut sich nicht zu kommen. Der Schüler unterschreibt dann allein dafür, dass die AfD verboten werden sollte.

Weil ich selbst Ausländer bin“, sagt der 16 Jahre alte Schüler mit hessischem Dialekt. Das Gerede von Remigration“, also der millionenfachen Deportation von Ausländern und Deutschen, mit und ohne Migrationshintergrund, die Teile der rechtsextremen Partei fordern, mache dem Schüler Angst. Seine Familie komme aus Italien. „Ich will nicht von meiner Familie getrennt werden und Deutschland nicht verlassen.“

Auf der Kurzvideo-Plattform TikTok sehe er viele Influencer, die vor der Kamera den Wahlschein für die AfD ankreuzten. „Das machen die nur, um Klicks zu bekommen. Die Wahl sollte man ernster nehmen. Schließlich gehe es darum, Deutschland besser zu machen.“

Als Minderjähriger zählt sei ne Stimme bei der Kommunalwahl im März nichts, am Stand der Omas gegen Rechts ist sein Alter egal und seine Meinung gefragt. An dem Stand haben sie Zettel mit Fragen ausgelegt zu Themen wie: Wohnen in Frankfurt, Existenzminimum und Stadtteilküchen, Schulen und Kindereinrichtungen oder Öffentlicher Nahverkehr. Jeder kann seine Wünsche, Forderungen oder Gedanken aufschreiben.

Die Omas gegen Rechts sammeln die Antworten. „Wir transkribieren sie und stellen sie den Fraktionen in der Stadtverordnetenversammlung zur Verfügung“, er klärt Manuela Jatsch von den Omas gegen Rechts.

Nichts werde gekürzt, nichts kommentiert. Allenfalls thematisch geordnet werden die Antworten. Was der Schüler der Carlo-Mierendorff-Schule erzählt hat, macht Angela Frank von den Omas gegen Rechts neugierig, was muss sich deiner Meinung nach in Deutschland ändern?“

Der junge Mann über legt nicht lang. Die Schulen müssen besser werden.“ Die Toiletten in der Schule seien praktisch nicht zu benutzen. Alle Pissoirs sind gesperrt, bei den anderen Toiletten sind alle Kabinentüren kaputt.“ Auch die Lehrer seien nicht so gut“. Sie behandelten Schüler ungerecht.

Den Omas gegen Rechts gehe es darum, dass alle Stimmen gehört werden, sagt Frank. Viele seien von Politik und von Parteien so frustriert, dass sie gar nicht mehr zu den Wahlständen der Parteien gehen würden.

Ihre Meinung und Per spektive wollen die Omas einfangen und an die Verantwortungsträger weitergeben, sagt Frank. Mit solchen Ständen wollen sie in den kommenden Monaten durch die Frankfurter Stadtteile touren. Besonders die Stadtteile mit vielen AfD-Wählern“, sagt Frank.

Aus Sicht der Omas gegen Rechts müsse dringend richterlich geprüft werden, ob die AfD verboten gehört. Die Einstufung der AfD durch den Verfas sungsschutz als gesichert rechtsextremistisch, lege das nahe. Frank geht es aber nicht nur um die Partei selbst. „Wichtig ist auch die öffentliche Dis kussion darüber, was eine ver-fassungskonforme Politik ist.“

Eine millionenfache Abschie bung anzustreben, die Men-schen wie dem Schüler der Car-lo-Mierendorff-Schule Angst um seine Familie macht, ist sich Frank sicher, sei es auf jeden Fall nicht.

Die gesammelten Stimmen für ein AfD-Verbot ließen die Omas Gegen Rechts der Initiative „AfD-Verbot-jetzt“ zukommen.

Quelle:
Friedrich Reinhardt, „Omas gegen Politikverdrossenheit – Initiative sammelt Meinungen in den Stadtteilen – Start in Preungesheim“, Zeitungsartikel, Abdruck mit Quellenangabe.

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